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Am vergangenen Wochenende, den 6. und 7. April 2013 fand in Berlin die PiratinnenKon statt. Organisiert wurde diese Veranstaltung, um unsere Haltungen zum Genderthema und vor allem auch persönliche Erfahrungen damit auszutauschen.
Knapp 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer fanden sich dazu in Berlin ein. Auch aus Baden-Württemberg nahmen etwa ein Dutzend Piraten teil. Diese Veranstaltung war bereits im Vorfeld als sehr feministisch geprägt in den verschiedensten Blogs und anderen Medien präsent. Trotzdem waren deutlich mehr Männer vor Ort als ich erwartet hatte.
Wir nutzten bei dieser Veranstaltung keine Vorträge. Stattdessen führten wir mehrere Runden mit jeweils speziellen Kommunikationstechniken durch. Dies waren etwa World-Café, Storytelling und Fishbowl.
Insbesondere das etwa zwei Stunden dauernde World-Café war sehr ergiebig. Dabei wechselten alle im Rhythmus von 15 Minuten zu irgendeinem anderen Tisch. Die entstehenden Gruppen bestanden dann aus etwa fünf bis sieben Personen. An jedem Tisch wurde eine andere Frage bearbeitet. Durch die ständig neu entstehenden Gruppen wurden an jedem Tisch viele verschiedene Gedankengänge und Ideen erarbeitet. Die während der gesamten Prozedur für die einzelnen Tische zuständigen Personen trugen anschließend eine Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse vor.
Ich selbst fuhr mit sehr skeptischen Erwartungen zur Veranstaltung. Diese wurde vor allem von den im Vorfeld teils sehr heftigen Auseinandersetzungen hervorgerufen. Aber bereits nach der ersten Runde World-Café war ich sehr positiv überrascht von der konstruktiven Atmosphäre auf der Veranstaltung.
Diese Veranstaltung wird für sich allein natürlich keine Probleme in der (unserer) Genderdebatte lösen. Dafür sind die Positionen und Meinungen viel zu kontrovers. Dies könnt ihr selbst nachvollziehen. Unter dem Hashtag #piratinnenkon findet ihr bei Twitter jede Menge Vorwürfe und zum Teil unsinnige Unterstellungen. Viele Vorwürfe kamen dabei von Leuten, die selbst gar nicht vor Ort waren.
Für mich bestätigte sich wieder einmal eine meiner Überzeugungen: ein Treffen mit Menschen anderer Meinung vor Ort bringt viel mehr Klarheit und bessere Ergebnisse als wochenlange unpersönliche Diskussionen per E-Mail oder in sozialen Netzwerken. Dies vor allem, weil es beim Thema Diskriminierung oft um sehr persönliche Erlebnisse geht. Diese persönlichen Erlebnisse möchte kaum jemand in der Öffentlichkeit ausbreiten. Häufiges Gesprächsthema war deshalb auch, dass wir die häufig sehr speziellen Probleme Einzelner ernst nehmen müssen. Verbale Angriffe auf Menschen ("Shit-Storms"), die wegen persönlicher Erlebnisse einem Vorschlag nicht zustimmen, müssen möglichst verhindert werden. Wir alle sind gefordert, Menschen beizustehen, die Opfer solcher Attacken werden. Aber auch die andere Seite sollten wir nicht vergessen. Denn es gehört auch viel Mut dazu, öffentlich um Verzeihung zu bitten. Dies muss von uns ebenfalls honoriert werden.
Von mehreren Seiten wurde auch bestätigt, dass dies im kleinen Rahmen, etwa Stammtisch oder Kreisverband, sehr gut funktioniert. Erst im größeren Rahmen, wie z.B. auf Bundesparteitagen, funktioniert es dann plötzlich nicht mehr. Viele Anwesende waren sich deshalb einig darin, dass solche Veränderungen nicht von oben herab funktionieren werden. Ein Parteitagsbeschluss wird es also nicht bewirken können. Wir alle sind gefordert, diese Kultur "von unten" durchzusetzen.
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